Informatives 28.08.2015

Interview

Im Gespräch mit Frau OB Bosch

Seit April 2003 im Amt als Oberbürgermeisterin Reutlingens, hat Barbara Bosch schon einige bedeutende Schritte im Stadtbild Reutlingens begleitet und ist auch durch die Wiederwahl 2011 von den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Engagement für die Stadt bestärkt worden. Im Neckar-Alb-Raum ist Reutlingen das Wirtschaftszentrum und somit leitet sie die wichtigste Region an. SAM hat sich mit OB Barbara Bosch getroffen und nachgefragt:

 


 

SAM: Die Stadt Reutlingen ist um eine Attraktion reicher – die Stadthalle. Nach dem Ausbau des franz.k steht nun ein Theaterneubau auf dem ehemaligen Listhallen-Areal an. Wie ist Ihre persönliche Meinung zur Stadthalle und deren Möglichkeiten? Was wünschen Sie sich noch für die Zukunft? Wird Reutlingen die neue Event-Großstadt zwischen Stuttgart und dem Bodensee?

 

BOSCH: Die Kulturkonzeption der Stadt Reutlingen  aus dem Jahr 2006 beruht auf drei Säulen: Erster Schritt der Umsetzung war die Erweiterung des einstigen Foyer U3 zum heutigen soziokulturellen Zentrum franz.K mit großartigen Veranstaltungen und einem enormen Besucherandrang. Diesem ersten Schritt folgte der Neubau der Stadthalle. Βereits seit vielen Jahrzehnten existierten Überlegungen, eine ähnliche Halle wie die Liederhalle in Stuttgart zu erstellen.

Die Listhalle diente nur provisorisch für Veranstaltungen und war ursprünglich gar nicht für kulturelle Nutzungen ausgelegt. Der Bau der Stadthalle entsprach also einem langgehegten Wunsch der Bevölkerung, der durch den Bürgerentscheid im Jahr 2006 noch einmal mit klarer Mehrheit bekräftigt wurde. Eines steht jetzt schon fest: In beiden Häusern treten so namhafte Künstler auf, dass wir uns vor vergleichbaren Städten in der Region wahrlich nicht zu verstecken brauchen!

Und es geht ja noch weiter: Die dritte Säule der Kulturkonzeption ist der Neubau der dauerhaften Spielstätte für das Tonne-Theater, den Baubeschluss hat der Gemeinderat im März gefasst.  Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Hotel auf dem Stadthallengelände schon bald realisiert werden kann, damit auch mehrtägige Veranstaltungen angeboten werden können. Derzeit sind wir in Gesprächen mit potenziellen Investoren.  

 


 

SAM: Ein weiterer Meilenstein, der Scheibengipfeltunnel, hatte bereits 1966 seinen Anfang. Nun durften Sie den ersten Spatenstich vornehmen und werden in naher Zukunft auch die Einweihung feiern. Ist das nicht besonders spannend für Sie als amtierende OB, ein Projekt, welches schon so viele Vorgänger wie Oechsle und Schultes begleitete, auf der Ziellinie zu sehen? Was versprechen Sie sich von dieser Tunnelverbindung zwischen Metzingen und Pfullingen?

 

BOSCH: Richtig, es handelt sich dabei um schon ein lang laufendes Verfahren. In der Vergangenheit war es nicht gelungen, den Bund zur Umsetzung dieses großen Projekts zu motivieren. Daher freut es mich umso mehr, durch mein Engagement und das vieler anderer diese Gelder zum Fließen gebracht zu haben. Beim „Tunnelanschlag“ selbst gab es eine symbolische kleine Sprengung, bei der ich als Patin fungieren durfte. Da hat es gut gepasst, dass die Schutzpatronin aller Tunnelmineure ebenfalls Barbara heißt.

 

Ich bin regelmäßig vor Ort und begleite das Projekt, auch aus persönlichem Interesse. Der Tunnel wird eine von mehreren Maßnahmen zur Luftreinhaltung beinhalten, denn wir haben die zweithöchste innerstädtische Emissionsbelastung mit 60-70.000 Fahrzeugen pro Tag, weswegen das Regierungspräsidium, das für den Reutlinger Luftreinhalteplan verantwortlich ist, kürzlich vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen auch erfolgreich von der Deutschen Umwelt verklagt worden. Es liegt also auf der Hand, dass etwas getan werden muss. Der Tunnel ist eine von mehreren Maßnahmen, die Schadstoffbelastung in der Stadt zu reduzieren und die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger zu erhalten. Das er dringend notwendig ist, haben wir immer gewusst und das auch immer wieder beharrlich vorgebracht. Umso mehr freuen wir uns nun auf die Eröffnung im Jahre 2017!

 


 

SAM: Es steht noch die Aufgabe an, wie auch bei vielen anderen Gemeinden und Kreisen, die zunehmende Zahl der Flüchtlinge und Asyl-Bewerber in den Kommunen und Bezirken zu verteilen sowie entsprechende Unterkünfte zu generieren. Wie kommen Sie in diesem Punkt voran?

 

BOSCH: Gerade werden die Kasernen im Ringelbach ausgebaut, in denen bereits in der sogenannten vorläufigen Unterbringung des Landkreises im Erdgeschoss des Altbaus 70 Flüchtlinge untergebracht sind.  Mit dem Ausbau schaffen wir Platz für 65 weitere Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung, für die wir als Stadt verantwortlich sind. Das sind in der Regel Menschen, deren Asylverfahren positiv beschieden ist – also unsere neuen Mitbürger.

Das es mit diesen Plätzen  aber noch lange nicht getan ist, weiß jeder, der täglich die schrecklichen Schlagzeilen aus den Herkunftsländern verfolgt. Wir planen deshalb neue Unterkünfte unter anderem im Hammerweg, in der Storlachstraße und in der Hauffstraße. Bis 2017 erwarten wir mindestens 600 weitere Hilfesuchende. Diese Menschen kommen aus blanker, nackter Not zu uns ins sichere Reutlingen und wir haben die gesetzliche und moralische Verpflichtung, sie zu betreuen und zu begleiten.

 


 

SAM: Welche Auswirkungen sehen Sie durch die Ausweitung der Outletcenter in Metzingen für den Einkaufsstandort Reutlingen? Wie denkt die Stadt, dem entgegen zu wirken?

BOSCH: Wir setzen auf eine lebendige Innenstadt und haben deshalb viel in die Altstadtsanierung investiert. Weitere

Einkaufsmöglichkeiten, beispielsweise auf dem ehemaligen Postareal, werden derzeit untersucht. Eine Passantenbefragung, die wir kürzlich in Auftrag gegeben haben, hat uns darin bestätigt, denn sowohl der Innenstadt als auch dem hier ansässigen Handel haben die Befragten die Note „sehr gut“ erteilt. Allerdings, und das ist einer der Gründe dafür, gerichtlich gegen die Erweiterung der Outletcenter vorzugehen, haben über 20 Prozent der Befragten auch angegeben, dass sie regelmäßig in Metzingen einkaufen. Alleine schon im Sinne unserer Einzelhändler kann es natürlich nicht in unserem Interesse sein, dass sich diese Zahl noch erhöht! Und es wirkt sich ja auch auf alle anderen innerstädtischen Angebote wie beispielsweise die Gastronomie aus.

 


 

SAM: Im Haushalt wurde eine Subventionierung des Kamino-Projekts nicht berücksichtigt. Was sprach gegen eine Unterstützung?

 

BOSCH: Wie bereits erwähnt, haben wir den Doppelhaushalt mit der Leitlinie eingebracht, dass keine neuen Projekte aufgenommen werden, sondern lediglich schon lang geplante Vorhaben umgesetzt werden können. Für neue Projekte haben wir einfach kein Geld. Das war also keine Entscheidung gegen Kamino und betrifft leider auch viele, viele andere Projekte.

 


 

SAM: Auf welche Erfolge blicken Sie gerne in Ihrer Amtsperiode zurück und welche konkreten Ziele, Pläne und Projekte verfolgen Sie noch?  

 

BOSCH: Es gibt vieles, auf das ich gerne zurückblicke. An die Eröffnungsfeier der neugebauten Stadthalle im Jahr 2013 beispielsweise erinnere ich mich sehr gerne, aber natürlich auch an unseren Schwörtag der Neuzeit, den wir auf meine Initiative hin im vergangenen Jahr schon zum zehnten Mal gefeiert haben. Der Ausbau unserer Kindertagesbetreuung, unserer schulischen Angebote – es gibt viele Meilensteine in den letzten zwölf Jahren! Vor uns liegen weitere Meilensteine:  unter anderem der Theaterneubau, die Rathaussanierung, die Gründung eines Stadtkreises, über die der Gemeinderat im Juni nach ausgiebiger Prüfung entscheiden wird. Auch muss in die Schullandschaft, etwa in die „Gemeinschaftsschulen“ und den Brand- und Klimaschutz investiert werden.  

 

SAM: Welche Pläne hätten Sie für sich gehabt, wenn Sie nicht wieder gewählt worden wären?  

 

BOSCH: So ein Wahlkampf lässt sich nur gewinnen, wenn man das Ziel der Wahl – oder in meinem Falle im Jahr 2011 der Wiederwahl – klar und ausschließlich im Blick hat. Es wäre ein falscher Ansatz, einen Plan B zu haben. Man muss zu 100% bei der Sache sein. Den Plan B kann man sich hinterher immer noch überlegen.

 

SAM: Wir freuen uns, dass Sie sich Zeit genommen haben und wünschen Ihnen weiterhin viel Kraft, Entscheidungsfreude sowie Erfolg in Ihrer Amtsperiode!

 

 

 


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