Gastronomie, Lifestyle

Bergbier - Uli Zimmermann

SAMregional Interview


Als kleine Brauerei pflegt die Ehinger Berg Brauerei eine klassische Brauweise für feine Bierspezialitäten mit Getreide von 36 Landwirten aus der Region. 2016 feierte die Berg Brauerei ihr Jubiläum „550 Jahre auf dem Berg“, denn die Historie der Brauerei, vormals Adler Brauerei, geht zurück bis ins Jahr 1466. Seit 1757 ist sie im Familienbesitz, wird heute von Dipl. Braumeister Uli Zimmermann sowie Frau Beate geführt und entwickelte seitdem einen Kultstatus.  

 


 

SAM: Herr Uli Zimmermann, seit wann leiten Sie mit Frau Beate die Brauerei und was hat sich seitdem grundlegend geändert? 

U. Z.: Seit 1990 leiten wir die Brauerei. Unsere Brauerei war Anfang der 80er in einer schwierigen Phase. Die Branche war damals auf die Sorte Pils gepolt. Ich weiß noch, wie der Unternehmensberater Roland Berger damals auf dem deutschen Bierbrauertag referierte und behauptete: „Wer sich nicht auf Pils und eine einzige Sorte konzentriert, den wird es im Jahr 2000 nicht mehr geben.“ Gott sei Dank hat der Verbraucher nicht darauf gehört, was Berger sagte. Wir haben damals auf ein völlig altmodisches, malzbetontes und bernsteingoldenes Bier, das Ulrichsbier gesetzt und ganzjährig im Bügelverschlussfläschle angeboten. In der Branche wurden wir dafür belächelt, jedoch hat uns diese Maßnahme wieder nach oben gebracht, da unser Bier anders schmeckte. Für uns hat sich grundlegend geändert, dass wir statt drei Sorten acht Berg Bier-Spezialitäten mit jeweils eigenem Charakter brauen und nicht einem definierten und diktierten Geschmack gerecht werden.

 

SAM: Mit der Hochzeit von Anna Maria Weber und Cyriakus Zimmermann im Jahr 1757 begann die bis heute währende Ära der Zimmermanns in Berg. Herr Zimmermann, wie wurden Sie sozusagen durch die Unternehmenstradition in die Firma und Braukunst eingeführt? 
U. Z.: Ich bin der neunte Inhaber mit  diesem Namen. Zählen wir alle Inhaber seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1466, bin ich der 21te. Nach meiner Lehre zum Brauer und Mälzer studierte ich Diplom-Braumeister in Weihenstephan und bin nach Tätigkeiten in mehreren anderen Brauereien 1986 ins Familienunternehmen eingestiegen.

Die Übergabe der Geschäftsführung von meinen Eltern an meine Frau und mich ab dem Jahr 1990 war keine Zepterübernahme, sondern die Übergabe des Staffelstabes. Wir Jungen sind losgelaufen, als meine Eltern noch den Stab in den Händen hielten und haben ihn in vollem Lauf dann übernommen. Der Wechsel war somit fließend. Als ich 1986 in die Brauerei zurückkehrte war mein Vater froh, den Vertrieb loszuwerden. Durch verschiedene Interessen wurde diese Zwei-Generationen-Führung zu einer Stärke. Er hat sich auf das Restaurieren historischer Brauereimaschinen konzentriert, die heute die Besucher in unserem BrauereiGewölbe, dem Museum erfreuen. 

Mein Vater hat mir Sparsamkeit vorgelebt. Was nicht heißt, kleinlich zu sein, sondern bewusst mit Ressourcen umzugehen. Ebenso hat er mir das vermittelt, was wir heute als Nachhaltigkeit bezeichnen.

 

SAM: Wie schafft man es, ein Produkt über 550 Jahre erfolgreich am Leben zu erhalten?  
U. Z.: Jede Generation hat in der langen Geschichte der Brauerei aktiv Chancen am Markt gesucht und genutzt. Das war immer so. Jede Generation macht es auf ihre Art. Durch den demografischen Wandel wird die Menge in den nächsten 20 Jahren zurückgehen. Die Bedeutung natürlicher Lebensmittel und handwerklicher, charaktervoller Spezialitäten wird zunehmen – dies werden wir nutzen. Zum Beispiel lassen wir im Sudhaus und beim Maischverfahren unseren Malzen viel Zeit, ihr Aroma zu entfalten. Technisch heben wir uns mit der offenen Obergärung und der Zwei-Tank-Reifung ab. Zunächst kostet das viel Geld. Anders als Brauereien, die  vorrangig auf Rendite ausgerichtete Aktionäre oder Anteilseigner haben, haben wir den Vorteil, dass sich solche Investitionen nicht innerhalb weniger  Jahre lohnen müssen. Viele kleine Brauereien sind eingegangen, weil sich Erben uneinig waren oder die Firmen einen hohen Immobilienwert hatten. Dann wird die Firma gerne verkauft. Das ist bei uns – leider oder Gott sei Dank – nicht so. Wir verdienen unser Geld mit Bier. Deshalb ist unsere Ausrichtung klar. Eine wichtige Rolle spielt letztlich, was den Inhaber prägt und trägt. 

Ich bin gelernter Brauer und Techniker. Daher interessiert mich zuerst, wie unser Bier schmeckt, anders als ein Betriebswirtschaftler, den  zuerst Zahlen interessieren. Ebenso sind Charaktereigenschaften, wie Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Achtung vor anderen, etwa der Konkurrenz, im Alltag enorm wichtig. Das heißt auch zu sagen: Der Nachbar war schneller, das mache ich nicht nach. Natürlich wollen wir alle ein Geschäft machen. Doch ich bin überzeugt, gehen wir achtsam mit Menschen um, bekommen wir das zurück und sind auch in Zukunft stark. 


 
SAM: Was hat sich am Geschmack und der Qualität des Bieres in den letzten fünfhundert Jahren und vor allem die letzten Jahrzehnte verändert? 
U. Z.: Bier war früher deutlich leichter und mit niedrigerem Alkoholgehalt. Im Gegensatz zu Wasser, das nicht die hohe Reinheit wie heute besaß, wurde Bier gebraut und damit abgekocht. Bier war die Alternative mit besserer Qualität als Wasser. Bis zur Proklamation des Reinheitsgebots am 23.04.1516 wurden die unterschiedlichsten Gewürze und Kräuter dem Brauprozess zugegeben. Danach waren Wasser, Hopfen, Malz und Hefe die Rohstoffe der Brauer – was bis heute keine Einschränkung ist. Unsere Biere sind alle nach dem Reinheitsgebot handwerklich gebraut, haben ihren eigenen Charakter und schmecken und riechen alle auf ihre Art.

 

SAM: Welche Rolle spielt der Erwerb Ihres Getreides? 
U.Z.: In weitem Umkreis ist Berg die einzige Brauerei, die seit über 20 Jahren bis heute Braugerste ausschließlich aus integriertem, kontrolliertem Anbau bezieht. 36 Landwirten aus der > Region bauen auf ihren Feldern seit Jahren, manche schon seit drei Generationen, für die Berg Brauerei Braugerste an. 60% unserer Gerste kommen aus dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Unseren Hopfen beziehen wir vor allem aus Tettnang, aber auch teilweise aus der Hallertau. Nur aus erstklassigen Rohstoffen entsteht schmackhaftes Bier. Auch beim Rohstoffeinkauf ist die Zeit für uns ein wichtiger Qualitätsfaktor. 

 

SAM: Die BrauereiWirtschaft Berg gehört zu einem festen Bestandteil Ihres Unternehmens. Welche kulinarischen Genüsse passen am besten zu einem Schluck guten Bier? Was macht die BrauereiWirtschaft so besonders? 
U.Z.: Die BrauereiWirtschaft ist sehr wichtig für unsere Außendarstellung. Hier öffnen wir uns und laden den Kunden ein, hinter die Mauern zu schauen. Es zählt nicht, was wir in Prospekten schreiben, sondern das Bild, das sich jeder selbst von uns macht. Ein Besuch in der Brauereiwirtschaft ist der erste Schritt zum Kennenlernen. Zwei unserer Gaststätten-Mitarbeiterinnen sind Biersommeliers. Insgesamt haben sechs Damen im Betrieb die Ausbildung. Unser Team kann einiges über Bier erzählen. Gleichzeitig sind wir durch die Wirtschaft nah am Kunden. Die Mitarbeiterinnen bringen Themen und Ideen aus der Wirtschaft in unsere Besprechungen mit. 

So wie die Brauerei die Rohstoffe aus der Region bezieht und damit das Qualitätszeichen Baden-Württemberg trägt, so bezieht auch die BrauereiWirtschaft seit drei Jahren ihre benötigten Zutaten aus der Region und trägt drei Löwen des Qualitätssiegels „Schmeck den Süden“ Baden-Württembergs. Mit dem Siegel werden Gastronomiebetriebe ausgezeichnet, die ganzjährig regionale Spezialitäten anbieten, deren  Rohstoffe nachweislich aus Baden-Württemberg stammen. Wechselnde Saisonkarten machen mir die Festlegung auf ein Gericht sehr schwer. Am besten Sie kommen selbst mal nach Berg und probieren sich durch.

 

SAM: Welche Pläne oder Projekte stehen für die Zukunft an? 
U.Z.: Der Bau des Bierlagers, der Logistik ist vorherrschendes Projekt, das uns sehr viel Anstrengung kosten wird. Beim Ulrichsfest in diesem Jahr, am 8. und 9. Juli, freuen wir uns auf den erstmals stattfindenden Holzfassmarkt und den großen Holzfassausschank. Auch der Geburtstag des Fahrrads „200 Jahre Fahrrad“ wird während der Radsaison und beim Radlertreff am Ulrichsfest mit Verlosungen, Aktivitäten und Aktionen ein wichtiges Mosaiksteinchen in diesem Jahr sein.

Wir danken Ihnen für das Interview und hoffen auf weitere erfolgreiche 550 Jahre Berg Bier aus der Region!

 


Weitere Infos unter 
www.bergbier.de

 

 


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